Einführung

If humanity were to allow every cultivated ecosystem of the planet to lie fallow, each would quickly return to a state of nature close to that in which it existed 10,000 years ago. Wild flora and fauna far stronger than those existing today would overwhelm cultivated plants and domesticated animals. Nine-tenths of the human population would perish because, in this Garden of Eden, simple predation (hunting, fishing, gathering) would certainly not feed more than 500 million people. If such an “ecological disaster” were to occur, industry would be of little assistance, since it is not yet in a position to synthesize food for humanity on a large scale, and will not be able to do so quickly. There is no other way to feed 20 billion people or 5 billion people than to continue to cultivate the planet by increasing domestic plants and animals while controlling wild ones.

Marcel Mazoyer and Laurence Roudart[1]

 

Kartoffelfeld – Landkreis Fürstenfeldbruck – © PBRights

Die Entwicklung der menschlichen Zivilisation ist eng mit der Züchtung neuer Pflanzen verbunden. Vor 10.000 Jahren, in der Jungsteinzeit, begann der Mensch mit dem ersten systematischen Anbau von Pflanzen und der Tierzucht als Ergebnis eines langen Evolutionsprozesses. Dieser Evolutionsprozess war gekennzeichnet durch die Entwicklung von hochentwickelten Steinwerkzeugen und das Wissen über die natürlichen Ressourcen, die die Anpassung von Wildpflanzen für den Anbau ermöglichten. Der Anpassungsprozess von Wildpflanzen war geprägt durch Domestizierung: die beliebtesten Arten wurden angebaut und ihre Samen neu gepflanzt und ausgewählt, um positive Eigenschaften zu maximieren und wichtige Auswirkungen, wie Schädlingsresistenz, Trockenheitstoleranz (etc.) zu erzeugen. Der Prozess der Domestizierung führte zur Entstehung neuer Sorten, die für das Überleben des Menschen entscheidend sind. [2]

Mit der Entdeckung der Erbgesetze durch Gregor Mendel Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Verbesserungsprozess der Pflanzenzüchtung seine erste wissenschaftliche Grundlage. Weitere Fortschritte in der Wissenschaft führten zu neuen Technologien, um gezielte und erwünschte Veränderungen in der Natur von Pflanzen zu erreichen, die zu neuen und besseren Sorten führen.

Die Fortentwicklung  der heimischen Pflanzenarten bei gleichzeitiger Bekämpfung von Wildpflanzen – wie MAZOUIER und ROUDART im obigen Zitat darlegen – ist gesellschaftlich nicht nur erwünscht, sondern notwendig. Der Prozess der Züchtung neuer Sorten hängt jedoch von der Investition von Zeit und wirtschaftlichen Ressourcen ab. In diesem Zusammenhang ist das Pflanzenzüchterrechtssystem ein Instrument, das die Züchter durch Gewährung von Schutz (Exklusivität) dazu anspornen soll, in die Entwicklung von neuen Sorten zu investieren.

Ein solches Vorhaben ist, weil es unterschiedliche Interessen in Einklang bringen muss, komplex. Das Ziel dieses Handbuchs ist es, die Strukturen des Systems zum Schutz von Pflanzenzüchtern und deren Arbeitsergebnissen aufzuzeigen und verständlich zu machen.


[1] MAZOYER, Marcels und ROUDART, Laurence. A History of World Agriculture – From the Neolithic Age to the Current Crisis. Earthscan 2006, S.19

[2] Siehe MAZOIER/ROUDART, op.cit. Siehe auch DUVICK, Donald. Breeding of Plants, in Encyclopedia of Biodiversity, Elsevier 2007.


Über dieses Handbuch

I. Schutzgegenstand – 1) Was sind schützbare Pflanzensorten im Sinne des UPOV-Übereinkommens


Veröffentlicht am 26 November 2021